Vierzig.jpg Die Festschrift: Ehemalige

Gerd Schlanert

Abteilungsleiter im Ordnungsamt
der Stadt Bielefeld


Ich habe 1974 angefangen und 1977 mein Abitur am Abendgymnasium gemacht. Wir waren damals der dritte Jahrgang, der angefangen hat.

Damals war wirklich vieles anders, aber auch so einiges schon wie heute. Wir sind noch im Klassenverband zum Abi gegangen, während an den normalen Schulen schon das Kurssystem, damals die reformierte Oberstufe, eingeführt war. Das hatte u.a. zur Folge, dass einem in der mündlichen Prüfung fast das komplette Lehrerkollegium gegenüber saß. Haben wir aber auch überlebt.

Dass wir relativ neu als Schulform waren, haben wir auch an den Lehrkräften gemerkt. Einige waren doch sehr geprägt von den jugendlichen Schülern der Tagesschule. Jeder hatte so seine Art, damit umzugehen. Im Gedächtnis geblieben ist mir der erste Auftritt von Sigrid Mai. Es war, glaube ich, ihre erste Stelle nach dem Referendariat, und sie kam in unsere erste Englischstunde mit: "Good Evening Boys and Girls ... würde ich normalerweise jetzt sagen, das passt hier ja nicht." Danach war es noch ein vernünftiger Unterricht. Frau Mai habe ich übrigens wieder getroffen. Sie war am Gymnasium in Oerlinghausen zeitweise die Deutschlehrerin meines Sohnes. Ihre etwas andere Art hatte sie wohl beibehalten und noch ausgebaut.
Gut ging es uns mit unserem Klassenlehrer: Toni Dornseifer war selbst Absolvent des zweiten Bildungsweges und hatte also durchaus Erfahrung mit der Belastung, neben dem Job zur Schule zu gehen.

Diese Doppelbelastung, die mehr als die Hälfte der Schüler bei uns bis zum Schluss durchgehalten haben, war schon nicht ohne. Vor allen Dingen dann, wenn die beliebten Klausuren in Deutsch über mehr als vier Zeitstunden geschrieben wurden. Auch deshalb sind viele auf der Strecke geblieben. Wir haben zweizügig angefangen und sind dann mit einer kleinen Klasse zum Abitur gegangen. Das heißt, mehr als die Hälfte hat es nicht durchgehalten.

Nach dem Abitur wurde ich des Öfteren gefragt: Hat sich das Abitur denn gelohnt? Für mich eine ganz klare Antwort: Ja
Nicht nur, dass es sich beruflich ausgewirkt hat. Ich glaube nicht, dass ich ohne Abitur das geschafft hätte, was ich jetzt geschafft habe. Ich wäre ganz andere Wege gegangen, und dann kommt: hätte und würde, also reine Spekulation.

Es war schon eine gewisse Hochachtung zu spüren, wenn in Bewerbungsgesprächen das Abitur am Abendgymnasium erwähnt wurde. Viele haben eine kleine Vorstellung davon, was drei Jahre jeden Abend Schule neben dem Job bedeuten.
Und für mich glaube ich, dass es schon eine gute Grundlage ist, für das Ziel Abitur nicht einfach zur Schule zu gehen, sondern sich häufig aufraffen zu müssen. Freizeit für Sport und Party war drei Jahre auf ein Minimum reduziert. Dass fast nebenbei die Allgemeinbildung wächst, nimmt man als Betroffener wohl kaum war. Das ist schon fast ein schleichender Prozess.

Damals haben wir uns gefragt, wie lange das Abendgymnasium wohl noch Schüler hat. Die Zeit hat gezeigt, dass es immer noch Bildungshungrige gibt.

Deshalb meinen herzlichen Glückwunsch zum 40-jährigen Bestehen und meinen Glückwunsch, zu diesem Geburtstag endlich ein eigenes Gebäude zu bekommen.

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