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Die Festschrift: Editorial


Sven Meyering

Schulleiter

 

Liebe Feiergemeinde,

40 Jahre Abendgymnasium Bielefeld, das waren 40 bewegte Jahre, in denen unsere Schule sich von einem kleinen Ein-Mann-Unternehmen, zur Zeit der Gründung 1973 war der damalige Schulleiter Hans-Jürgen Bursian der einzige hauptamtliche Lehrer, zu einem prosperierenden Bildungsinstitut entwickelt hat. In der freien Wirtschaft würde man von traumhaften Bilanzen sprechen.

1973 startete das Abendgymnasium mit einer Klasse von 20 Studierenden in seine Zukunft, 2013 sind es etwa 620 Studierende, das macht eine Entwicklung von 3100% aus. 1973 wurden die Studierenden nur in Bielefeld unterrichtet, 2013 hat die Schule auch hier expandiert und Unterrichtsorte in Detmold (gegründet 1981), Löhne (1986) und Gütersloh (2007) eröffnet. In Bielefeld kam 1989 auch noch ein Vormittagsstandort dazu. Das Abendgymnasium ist eine Erfolgsgeschichte, das belegen diese Zahlen sehr eindeutig.

Jedoch, ein Bildungsinstitut auf seine rein quantitative Entwicklung zu reduzieren, würde dem sozialpolitischen Auftrag, den eine Schule insbesondere des zweiten Bildungsweges hat, keineswegs gerecht. Aktuell lautet die bildungspolitische Prämisse der Landesregierung für den ersten Bildungsweg: „Kein Kind zurück lassen!“ Genau hier dürfen wir ansetzen und die Position des zweiten Bildungsweges einbringen.

Schulen wie das Abendgymnasium Bielefeld sorgen dafür, dass die Chance besteht, überhaupt niemanden mehr zurückzulassen, niemanden, der im ersten Bildungsweg keinen höherwertigen Abschluss wie das Fachabitur oder die Allgemeine Hochschulreife erwerben konnte, aus welchen Gründen auch immer.

Noch immer bescheinigt die OECD dem Bildungsstandort Deutschland soziale Ungerechtigkeiten. In kaum einem anderen Land korrelieren nach Ergebnissen der Studien Bildungschancen und -erfolg und sozial-ökonomische Herkunft so stark wie in unserem Land, wohl gemerkt einem der reichsten Länder der Erde mit einem der höchsten industriellen Entwicklungsstände. Genau hier setzen die Weiterbildungskollegs und Abendgymnasien an. Diese Aspekte motivieren uns tagtäglich, uns für und mit unseren Studierenden für deren Bildungsziele einzusetzen.

Als Schulleiter des Abendgymnasiums bin ich stolz darauf, sagen zu können, „Regierungschef“ eines multikulturellen Mikrokosmos zu sein; hier bei uns ist Integration keine leere Worthülse, sondern gelebte tagtägliche Realität.

Unsere Studierenden haben heute zu gut 60% einen Migrationshintergrund, sie entstammen 13 verschiedenen Nationen. Die Schule ist für die Menschen da, die diese besuchen, und es hat zu allen Zeiten sehr gute Gründe dafür gegeben, zum Abendgymnasium zu gehen. Insbesondere diesem Aspekt trägt der Beitrag unseres ehemaligen Schulleiters Joachim Klenner, der die Geschicke unserer Institution von 1998 – 2004 leitete, Rechnung.
Umgekehrt darf auch das Abendgymnasium stolz bilanzieren, dass die Menschen, unsere Studierendenschaft, für die Schule da waren, als diese sie benötigte. Ich sage unseren Studierenden ganz herzlichen Dank dafür, dass ihr Einsatz in hohem Maße dazu beitragen konnte, dass das Abendgymnasium die Gutenbergschule als ganz eigenen Standort und neue Heimat erhalten wird. Sie, liebe Studierendenschaft, sind das Gesicht unserer Schule, Sie verkörpern die Menschen unserer Institution, Sie sind der größte erfahrbare Sympathie- und Werbeträger des Abendgymnasiums. Dank Ihnen entschied letztlich am 20.12.2012 der Rat der Stadt Bielefeld einstimmig für das Abendgymnasium.

Diese erfahrbare Wertschätzung motiviert alle an unserer Schule tätigen Personen, diesen gemeinsamen erfolgreichen Weg weiter zu beschreiten und das Vertrauen zu rechtfertigen.
Das Abendgymnasium wird daher mit seinen nun 40 Lebensjahren nicht in eine Midlife-Crisis verfallen, sondern sich seinen zahlreichen Aufgaben weiterhin engagiert stellen und sich das Ziel setzen, ein wertvoller Bestandteil der Bielefelder Schul- und Bildungslandschaft mit einzigartigem Charakter zu bleiben.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nur selten voneinander zu trennen. Deshalb möchten wir Ihnen, liebe Feiergemeinde, in dieser digitalen Festschrift unsere Schule und ihre bewegte Geschichte mittels Beiträgen ehemaliger und aktueller Absolventen und Lehrer näher bringen, möchten Sie mitnehmen auf eine Reise durch vier Jahrzehnte Abendgymnasium und damit auch durch vier Jahrzehnte Gesellschaftsgeschichte.

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